Zeitreisen mit “Geschichtskisten”

In New York wurde eine Kiste mit Gegenständen aus dem Jahr 1914 entdeckt. Sie sollte eigentlich 1974 geöffnet werden, ging aber verloren und ist erst jetzt wieder gefunden worden. Die New Yorker Historische Gesellschaft nahm das zum Anlass, ein Projekt mit Schüler/-innen zu starten, in dem eine Kiste mit Gegenständen des Jahres 2014 zusammengestellt werden sollte. Öffnungszeitpunkt: 2114. Die Kiste wird u. a. Selfies enthalten, eine Ausgabe der New York Times, einen Amazon Kindle und eine Karte für ein Lady-Gaga-Konzert.

Welcher Geschichtslehrer hat das noch nicht gemacht? Die Kinder sollten Gegenstände mitbringen, mit denen die Großeltern aufgewachsen sind. Was kamen da für tolle Sachen! Inflationsgeld, kratzige Leibchen, Tagebücher, Fotos, Kaffeemühlen.                                                                                    Schöne Gesprächsanlässe ergaben sich und Diskussionen darüber, was als typisches Zeitzeichen in eine zeitgenössische Kiste  gehört.  

In einer Vitrine der Schulbibliothek wurden die alten und neuen Gegenstände noch eine Zeitlang  ausgestellt.

Die Schulbibliothek auf dem Smartphone

Verlegt die Klett-Tochter Pons GmbH die Schulbibliothek ins Mobiltelefon?

Oder meint sie “Schule Bibliothek”? Ein Portal, das über Apps informieren will, nennt die App des Verlages “PONS Schul-Bibliothek”. Folgt man dem Link in der Pons Werbe Mail, stellt sich heraus, dass es sich um eine Grammatik-Bibliothek handelt. Man wird zu iTunes geschickt, wo man auf der App “Schulbibliothek” bzw. “Schul-Bibliothek” bzw. “Schule Bibliothek” — Pons-Grammatik-Apps kaufen (“In-App-Käufe”) kann. Also gar keine Bibliothek, sondern ein Laden, in dem es Produkte des Pons-Verlages gibt.

Als erstes würde ich mir eine App “PONS-Wörterbuch der deutschen Sprache” kaufen, um Gewissheit zu erlangen, wie man “Schulbibliothek” schreibt.

Vielleicht ist die Idee gar nicht so schlecht.

Was nichts kostet, hat ja bekanntlich keinen Wert. Man könnte den Zugang zur realen Schulbibliothek als “Premium-Schulbesuch” vermarkten: Wer mehr von der Schule haben will. Über eine schuleigene App hätte man Zugang zu Wörterbüchern, Lexika, dem OPAC und dem scheinbar unverzichtbaren Munzinger-Archiv, hätte monatlich vier Fragen an die Bibliothekarin und eine Literaturliste frei und zwei E-Book-Ausleihen. In der Bibi-Lounge erhielte man täglich einen Softdrink.

Neues zur Digitalisierung der Schulen

Die Welt berichtet von einer Laptopklasse in Berlin. Eltern sind laut BITKOM skeptisch, was Computerkenntnisse der Lehrkräfte angeht. Eine Schülerin der Laptopklasse sieht nach drei Jahren Vorteile fürs Berufsleben. Sie könne jetzt mit Powerpoint umgehen und mit zehn Fingern schreiben.

Josef Kraus vom Deutschen Lehrerverband würde lieber Schulbibliotheken sehen statt teurer Laptops. Die Bundesregierung wolle 500 Millionen für bessere Computerkompetenz der Lehrkräfte ausgeben. Eine überzeugende Evaluation des Nutzens von Computern im Unterricht gibt es bisher nicht. Statt Laptopklassen gibt es neue Projekte mit Tabletklassen. Die wären einfacher zu bedienen und könnten schon in Grundschulklassen eingesetzt werden, sagen Medienexperten in NRW.

Basedow1764 hatte kürzlich berichtet, dass in USA Laptops Tablets vorgezogen werden, wegen der Tastatur.

Renaissance der Schulbibliotheken in den USA?

Man wagte es in den letzten Jahren kaum laut zu sagen. Aber in den USA wurde das Schulbibliothekswesen zurückgebaut. Basedow1764 hat es im Blog gelegentlich doch erwähnt. Nun sehen manche Beobachter eine Renaissance, wie Joyce Valenza im School Library Journal schreibt. Es mehren sich wieder Stellenausschreibungen. Mancher Bundesstaat, mancher Landkreis denkt um. Nicht zuletzt sollen Elternproteste die Trendwende herbeigeführt haben.

Mindmapping ohne Computer!

Die von mir hoch verehrte Schulbibliothekarin Buffy Hamilton berichtet in ihrem Blog über ein Projekt, das sie im Team mit einer Fachlehrerin unterrichtet. Es geht um Recherche, also Informationskompetenzvermittlung. Was bei Buffy Hamilton immer wieder herauskommt, ist richtig guter Unterricht. (Nicht weniger interessant und innovativ sind ihre literarisch-musikalischen Projekte.)

In ihrem Blog hat sie gerade dokumentiert, wie die Schüler/-innen ihre erste Stoffsammlung dazu benutzen, das Thema zu überblicken und einzugrenzen. Sie fertigen dazu Mindmaps an. Die Fotos und die Sekundenfilmchen (die ich immer nur kurzzeitig ertragen kann) zeigen etwas, was mich verblüfft: Die Schüler/-innen schreiben mit Stiften auf großen Plakatkarton oder Flipchartblöcke. So haben wir das schon vor zehn Jahren gemacht. Und hier praktiziert das eine der führenden Expertinnen für technologisch fortgeschrittene Arbeit in der Schulbibliothek! Das ist sympathisch und methodisch passend! Die Poster werden auf die Wäscheleine gehängt, in die Fenster, auf die Flipchart gestellt. Da können sie übrigens von allen Bibliotheksnutzern gesehen werden!

Es geht ja darum, dass die Klasse einen gemeinsamen Lernprozess erfährt. Man erläutert sich in Partnerarbeit die Mindmaps, berichtet von den Erfahrungen beim Aufschreiben, was es gebracht hat, ob es geholfen hat beim Eingrenzen und Strukturieren des Themas, ob es zu neuen Einsichten verholfen hat. Das ist in High Schools etwas Neues. Bisher war Referateschreiben in US-amerikanischen Schulen eher Einzelarbeit.

Man könnte die Mindmaps auch im Computer herstellen. Aber wäre das, wovon die Fotos und Sekundenfilme einen Eindruck vermitteln, möglich, wenn alle vor einer Leinwand sitzen, auf die der Beamer Mindmap-Dateien wirft? Graphisch sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, wenn man die Mindmap selbst zeichnen darf. Schließlich kann man sie, falls nötig, abfotografieren. (Ich besitze immer noch einige hervorragende Mindmaps meiner Schüler.) Frau Hamilton macht selbst aufmerksam darauf, dass der digitale Notizblock Evernote handschriftliche Notizen auf Post-It-Zettelchen über eine spezielle App einliest und suchbar macht.

Zum Buch “Die Schulbibliothek im Zentrum” hat Buffy Hamilton übrigens beigetragen: Sie vergleicht eine gute Schulbibliothek mit einem guten Restaurant.

Ms Hamilton bleibt aber auch unterrichtstechnologisch weiterhin vorneweg: Sie lehrt die Benutzung der Powerpoint-Konkurrenz Prezi.

Eine futuristische Schulbibliothek

Über den auf der verlinkten Seite zu findenden Videoclip bin ich schon vor ein paar Wochen gestolpert und fand ihn damals nicht so richtig überzeugend. Flott gemacht, aber einen richtigen Eindruck vom neuen Raum bekommt man nicht. Jetzt hat das School Library Journal einen Artikel zu diesem Bibliotheksumbau gebracht, mit Vorher- und Nachher-Fotos, die informativer sind. Der Umbau wurde möglich dank großzügiger Unterstützung durch eine Büromöbelfirma und Designer und Architekten.

Die Schule ist eine Charter School in Los Angeles, also eine Vertragsschule, in der das Schulmanagement autonom handeln kann. Der Staat hält sich heraus, erwartet aber ein gutes Ergebnis. Es ist ein in den USA weit verbreitetes Experiment, die Schulqualität zu verbessern. Daneben gibt es weiterhin die normalen staatlichen Schulen und die Privatschulen. diese Schule hat den Auftrag, Schüler/-innen auf den Colle-Besuch vorzubereiten (Prep School).

Man glaubt es nicht: Eine Schulbibliothekarin/einen Schulbibliothekar gibt es bisher nicht! Auch in den USA ist das Schulbibliothekswesen nicht mehr das, was es einmal war.