Facebooknutzung unter Schülern schwindet

Der Blog Lehrerfreund kommentiert die Überschrift launig:

“Facebook verliert an Bedeutung, es gewinnen Tools und Netzwerke, bei denen die direkte Kommunikation im Vordergrund steht. Erstaunlich ist dabei die immense Geschwindigkeit dieser Entwicklung. Möglicherweise sitzen nächstes Schuljahr in ihren Klassen Schüler/-innen, die Facebook gar nicht mehr kennen. Und Sie als Lehrer/-in haben sich endlich überwunden und einen Facebook-Account eingerichtet, um endlich mit dabei zu sein und zu verstehen, was die Schüler/-innen so umtreibt.

Immerhin: Um den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg müssen Sie sich keine Sorgen machen. Instagram und WhatsApp hat er ja in weiser Voraussicht schon aufgekauft. Registrieren Sie sich schnell – bevor das nächste große Ding losgeht.”

Bayerische Fortschritte in Sachen Schulbibliothek

Das bayerische Kultusministerium meldet: Drei Pädagogen dienen ab sofort wieder als Ansprechpartner für alle Lehrkräfte bei Fragen rund um Schule und Bibliothek.

Bei aller Freude über so viel Aktivität, kommt mir der Instanzenweg etwas verschlungen vor:

  1. Die Anregung kam von der Bayerischen Staatsbibliothek. Von selbst kam man im Ministerium anscheinend nicht darauf, tätig zu werden.
  2. Die erfahrenen Pädagogen werden laut Pressemitteilung (garniert mit dem typischen Schmökerbild) an das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) abgeordnet. Das Institut ist zuständig für Schulentwicklung, Evaluation, curriculare Fragen, Medienerziehung usw. Das scheint mir eine klarere Lösung zu sein als in Hessen, wo es eine halbe Stelle im Geschäftsbereich des Kultusministeriums für Beratung von Schulen und Schulbibliotheken gibt (“Projektbüro Schulbibliotheken”) und zwei halbe Lehrerstellen, die an die Landesfachstelle abgegeben wurden und somit außerhalb des Geschäftsbereichs des Ministeriums angesiedelt wurden.
  3. Aber: Die erfahrenen bayerischen Pädagogen arbeiten gar nicht im Staatsinstitut. Das ist nur eine formale Unterstellung, um den Landesrechnungshof nicht zu irritieren. De facto ist es in Bayern so, wie bei zweien der drei Hess/-innen: Ihre Arbeitsplätze befinden sich in der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen der Staatsbibliothek in München, Nürnberg und Würzburg.

Erst dachte ich, die sollen dort Bibliothekare beraten. Aber nein, sie sollen von dort aus Lehrkräfte in Sachen Schule und Bibliothek, worunter wohl auch Schulbibliotheken fallen, Auskunft geben. Wer berät denn jetzt das Staatsinstitut in Sachen Schulbibliothek? Richtig, dessen Aufgabengebiete haben mit Schulbibliothek ja überhaupt nichts zu tun.

 

Kleine Löschaktion bei Basedow1764

4% der Blogbeiträge aus sieben Jahren habe ich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gelöscht. Es handelt sich überwiegend um tagesaktuelle, inzwischen veraltete Informationen und Terminankündigungen. Auch einige, noch längst nicht alle Beiträge rund um die “DDR-Bücherkiste” aus dem LAG-Projekt “Die Bibliothek in der Kiste” wurden in den Blog “Ampelmännchen und Todesschüsse” verschoben, den es erst seit fünf Jahren gibt. Ca. 60 Beiträge liegen jetzt im Papierkorb, ein Tropfen auf den heißen Stein. 1.700 gibt es noch. Die Frage ist: wozu?

Nichts ist älter als eine Zeitung von gestern. Für Blogs scheint dasselbe zu gelten. Was sich in den Tiefen des Blogs ablagert, wird vergessen, von einigen “Dauerbrennern” abgesehen. Es sind aber auch Sachen dabei, die heute noch genauso aktuell sind wie vor fünf Jahren. Manchmal poste ich die noch einmal (“reloaded”). Ich rede mir ein, der Blog wäre für mich auch ein Archiv. Dafür gäbe es auch andere, lokale Lösungen. Die ich zudem auch noch füttere: Citavi, Lesezeichen-Ordner, Google Desktop. Dennoch bleiben Sachen unauffindbar, von denen ich behaupte, ich hätte sie irgendwann einmal irgendwo abgelegt.

Für das Konzept des Schulbibliotheksblogs ergeben sich aus der Löschaktion keine unmittelbaren Konsequenzen. Es bleibt wohl dabei: Der eine oder andere Praxistipp, der eine oder andere Literaturtipp, die eine oder andere Neuigkeit, etwas von AGSBB und LAG Hessen und was sich im Rest der Welt tut. Keine lückenlose Erfassung aller Neugründungen und Schließungen, Scheckübergaben und Lesenächte.

Ich freue mich sehr, dass über 120 Stamm-Leserinnen und -leser dies schätzen.

Aus meinem Archiv (10)

Im Jahr 2008 fand ich in einer der vielen Powerpoint-Präsentationen zu Web 2.0 und Bibliothek 2.0 mit dem Titel: “Wie das Web 2.0 die Bibliothek verändern kann” diesen revolutionären Satz:

“Dahin gehen, wo der Nutzer ist.”

Dann noch ein Fundstück aus einer anderen Präsentation:

“Die Aufgaben einer Bibliothek: sammeln, erschließen, verfügbar machen.” Von suchen lassen oder das Suchen lehren stand da nichts.

Richtig altmodisch, dieses Verständnis von Bibliothek. Aber nutzerorientiert!

Die Politik in Hessen nimmt Schulbibliotheken leider nicht ernst

Ich frage mich zunehmend, ob es sich noch lohnt, sich in Hessen für Schulbibliotheken zu engagieren. Seit es den Kooperationsvertrag des dbv mit dem Hessischen Kultusministerium gibt, gibt es keine Bewegung mehr. Das Organ des Kooperationsvertrages, das “Forum Schulbibliothek”, mit einem Bibliothekar der Fachstelle für öffentliche Bibliotheken in der Fachhochschulbibliothek Rhein-Main an der Spitze, vertritt die Interessen der öBs. Die LAG Schulbibliotheken sitzt am Katzentisch. Heute wären Projekte wie die Anwendung der Software LITTERA in Dreiviertel aller Schulen oder ein Leseförderprojekt wie die “Bibliothek in der Kiste” für 60.000 Schüler/-innen, ebenso der Unterrichtsversuch “Unterricht in der Schulbibliothek” – alles LAG-Initiativen – nicht mehr möglich.  Für das “Forum” geht es darum, dass die öBen neben den Fördermitteln des Wissenschaftsministeriums demnächst auch Haushaltsmittel aus dem Kultusministerium für die Zusammenarbeit mit Schulen bekommen. Die Grundlage ist im Hessischen Bibliotheksgesetz gelegt. Dort wird z. B. die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenzen dem schulischen “Bildungspartner” öB. zugeordnet. So könnte das auch in einem Flyer des Bibliotheksverbandes stehen, an der Realität von Bibliotheken und Schulen in Hessen geht das vorbei und ein zukunftsfähiges Konzept ist es auch nicht. Man fragt sich, warum das Wörtchen “Schulbibliothek” überhaupt im Gesetz verstreut wurde.

Zwar wird LAG-Vertretern in Gesprächen oft zugestimmt, dass Schulbibliotheken eigentlich Sache der Schulen sein, tagtäglich im Unterricht genutzt werden sollten und folglich im Schulgesetz verankert sein müssten, aber offiziell gilt: So wie es ist, ist es politisch gewollt, daran darf nicht gerührt werden.

Dies als Vorrede zu einer Zeitungsnotiz aus Rüsselsheim, wo Lions-Club-Damen eine Schulbibliothek durch Flohmarktverkäufe retten wollen, weil die Stadtverwaltung eine 8-Stunden-Bibliotheks-Fachkraft einspart. So ist das halt, wenn das Schulbibliothekswesen von der Finanzkraft und dem bildungspolitischen Ehrgeiz der einzelnen Gemeinde abhängt. So entsteht ein schulbibliothekarischer Flickenteppich.

Ausgerechnet Rüsselsheim! Die engagierte Zusammenarbeit der öB mit den Schulen verdient großen Respekt. Es gibt eine Kinder- und Jugendabteilung, zahlreiche Aktionen der Leseförderung und Angebote an die Schulen.

Natürlich wollen auch die Rüsselsheimer Schulen schulinterne Bibliotheken und schuften dafür.