Samstag, 10 Mai , 2008

Jahrestag der Bücherverbrennung


Zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung haben das Moses-Mendelssohn- Zentrum in Potsdam und der Olms-Verlag eine Kassette mit den ersten 10 von 120 Bänden der Bibliothek verbrannter Bücher vorgestellt.

4000 Kassetten werden Schulen, die zum Abitur führen, übergeben. Diese Geste, die durch Unterstützung zahlreicher Stiftungen ermöglicht wurde, ist besonders bemerkenswert.

Mehrere der 94 Bücherverbrennungen im Mai und Juni 1933 fanden auf Schulhöfen statt, um Bücher aus den Schulbibliotheken zu verbrennen. Dies war z. B. in der preußischen Rheinprovinz angeordnet worden.

Die LAG hat dem Kultusministerium und dem Olms-Verlag vorgeschlagen, explizit die Schulbibliotheken als Empfänger der Bücherkassette zu erwähnen.

M.E. dürfte in Hessen fast die Hälfte der Schulen mit Oberstufe die Kassette erhalten.

Eine Website von Potsdamer Studenten zu den verbrannten Büchern.

Mittwoch, 7 Mai , 2008

Magazin Focus über Schulbibliotheken

Schulbibliotheken als bildungspolitisches Thema erfreuen sich selten medialer Aufmerksamkeit. Daher lese ich mit Freude, dass Focus online einen Ratgeber für Schulbibliotheksgründungen veröffentlicht hat. Besonders schön zu lesen ist die Aussage über Hessen: Ein “einzigartiges Strukturwerk” gäbe es dort, schreibt die Journalistin. Unter Blinden ist der einäugige König! Hier der Beitrag.

Nachbemerkung:

Im Focus-Online-Archiv kommt Schulbibliotheken 10x vor. Davon zwei, drei relevante Meldungen. Bei Focus muss es jemanden geben, der an Schulbibliotheken denkt!

Beim Spiegel Online-Archiv gibt es Schulbibliotheken 5x. Wobei das Suchwort selbst kein einziges Mal vorkommt, aber immerhin Bibliothek, Bücherei, Bibliothekarin, Literatur in den Texten.

Ist das schon die semantische Suchmaschine?

Spiegel verlinkt auch zu Wikipedia und seinem unsäglichen Schulbibliotheksartikel. Ich habe vor Jahren versucht, den arg bibliotheksfachlichen Artikel ein wenig zu “pädagogisieren”. Jetzt steht wieder etwas von “zensurenfreien Raum” drin. (So viel zu wisdom of the crowds des Web 2.0)

Noch schlimmer: Der Artikel wird dominiert von einem Liebhaber historischer Schulbibliotheken. Am besten sollte man den Artikel streichen, wenn keine Einigung möglich ist.

Mittwoch, 7 Mai , 2008

Gefahren des Internets als Unterrichtsthema

Microsoft hat eine Initiative zu Urheberrechtsschutz, Umgang mit Passwörtern, sicherem “Surfen” usw. gestartet.

Materialien für den Unterricht unter: www.sicherheit-macht-schule.de

Was mir dabei durch den Kopf geht:

Schule ist wieder mal der Reparaturbetrieb der Gesellschaft. Was soll nicht alles unterrichtet werden: Gesundheitserziehung, Verbrauchererziehung, Verkehrserziehung, Sexualkunde, Medienerziehung, Antirassismustraining, Streitschlichtung, Methodentraining.

Dann gibt es auch noch einen Fächerkanon. Ich werde nie vergessen, wie ich den fünften Band eines Geschichtsbuches zum erstenmal in der Hand hielt: “1945 bis 1989″! Die allermeisten Schulklassen bleiben irgendwo zwischen Weimar und Hitler stehen. Und jetzt gab es noch ein Jahr Nachkriegsgeschichte drauf.

Inzwischen haben wir alle gelernt, den Computer einzusetzen, alle paar Jahre ein neues Windows und Word zu benutzen, mit Laptop und Beamer in die Klasse zu laufen, statt mit dem OHP, Powerpointfolien zu produzieren und dabei den kids allzu verrückte gadgets abzugewöhnen. Wikis und podcast werden wir auch noch integrieren.

Angeblich soll der Computer das Lernen verbessern. (Wenn denn mal alle ihren Laptop hochgefahren haben, der Computerraum gerade frei ist, alle im Netzwerk angemeldet sind, keiner seinen stick vergessen hat und nicht gerade die halbe Schule im Internet ist.)

Jetzt setzen wir noch ein paar Unterrichtseinheiten drauf: “Vorsicht vor dem Internet!”

Wie heißt es so schön: Der Computer hilft uns, Probleme zu lösen, die wir ohne Computer nie gehabt hätten.

Update 11.5.: Der Bankenverband fordert ein Fach “Wirtschaft” vom ersten Schuljahr an (FAZ, 8.5.0 8) Da ist Hessen aber vorn: Dort gibt es das Fach “Politik und Wirtschaft”.

Dienstag, 6 Mai , 2008

Wiki zu Anne Franks Tagebuch

In einem Blog der der US-Fachzeitschrift School Library Journal (So was gibt es in USA) postet die Bloggerin Amy Bowell ihr Interview mit einer Lehrerin, die die Anne-Frank-Lektüre ihrer 8. Klasse in einem Weblog verarbeitete. Das Wiki ist nicht öffentlich zugänglich, das Interview dennoch lesenswert.

Dienstag, 6 Mai , 2008

Schulbibliotheken in Talkshows

Der Bundespräsident, der der Politik gerne sehr konkret sagt, wo es lang zu gehen hat, nach dem sich aber niemand richtet, sprach sich kürzlich, nach einem Gespräch mit der dbv-Vorsitzenden, für eine Besserstellung der Bibliotheken aus, sogar die Schulbibliotheken hat er erwähnt.

Das erinnerte mich an meinen Leserbrief, den ich aus Anlass einer KJL-Beilage, in der mal wieder die Uralt-Zahlen von den 10% der deutschen Schulen … aufgegriffen und bedauert wurden, an die ZEIT geschickt hatte. Der Brief ist zeitlos, daher ziehe ich ihn nochmal aus der Sammelmappe:

Sonderheft zur Kinderliteratur: “Lies! Mir! Vor!”, ZEIT Nr. 19

Jetzt wird Pisa aber zurechtgerückt! Gleich zwei deutsche Initiativen zum Vorlesen: die der ZEIT und der Stiftung Lesen und die der Körber-Stiftung und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Auf den Kongressen, den Podien und in den Talkrunden zum Stand der Lesekultur findet sich auch immer jemand, der (mehr) Schulbibliotheken fordert. Das wird höflich beklatscht.

Wenn dann die Kameras abgeschaltet sind, Scheinwerfer erloschen und die Bodyguards der vorlesenden Promis die Absperrungen aufgehoben haben, kehren die “grauen Mäuse” der Leseförderung, die Lehrer, Eltern und Bibliothekarinnen, die sich um Schulbibliotheken kümmern, zurück in ihre Räume an den Rändern der Schulen, machen das, was sie schon seit Jahren machen: vorlesen, Autoren einladen, Lesenächte und Schreibwerkstätten organisieren, Schülerinnen und Schüler zum Lesen animieren. Fast immer ehrenamtlich und nur mit Flohmarktgeldern versorgt, weil es in Deutschland keine gesetzlichen Regelungen für Schulbibliotheken gibt.

Deshalb träumen sie nachts von Dänemark, Schweden, Finnland, Österreich, Malaysia, USA und Südtirol, wo das ganz anders ist. Die “grauen Mäuse” aus den Schulbibliotheken freuen sich schon auf das nächste Event. Sie klatschen dann wieder, wenn jemand ein gutes Wort für die Schulbibliotheken einlegt.

Samstag, 3 Mai , 2008

ZEIT-Internet-Spezial

Die ZEIT hat in ihrer Ausgabe 19/2008 eine Beilage zum Thema “Wie das Internet unser Leben verändert”. Sehr viele nette Texte zu E-Mail im Büro, Google, Facebook, Partnersuche, Kinder und Netz.

In der Randspalte jeweils nützliche Links. Nichts Neues eigentlich, aber flott geschrieben und wohltuend distanziert im Vergleich zu dem Web2.0-Hype. Natürlich fehlt auch nicht der Artikel zum billigen Notebook, das, wenn weltweit in jeder Favela-Hütte vorhanden, die Bildung revolutionieren wird. (Nach untern scrollen zu CHANCEN. Dort sind die Artikel zu finden.)

Dienstag, 29 April , 2008

Was passiert mit den Tempelhof-Millionen?

Der Volksentscheid zum Verkehrsflughafen Tempelhof ging ja gerade nochmal gut aus. Die Politologen erklären den relativen Erfolg im alten West-Berlin nicht nur mit der Pro-Kampagne der Springer-Zeitungen, dem plötzlichen Engagement Frau Merkels und dem Brass auf einen überheblichen Herrn Wowereit, sondern vor allem damit, dass hier der Wendeverlierer West-Berlin ein Zeichen setzen wollte: Alles drehe sich um die neue MItte, um die Befindlichkeit der Ossis, im Osten werde mehr in die Infratruktur investiert, inzwischen wäre die Arbeitslosigkei in West-Berlin höher als im Ostteil.

Am Rande bemerkt: Die Bundesregierung, die seit 15 Jahren keine Einwände gegen die Schließung gehabt hatte (!), sagte jetzt, vor dem Volksentscheid zu, das jährliche Tempelhof-Defizit von 10 Mio € bis zur Eröffnung des Großflughafens in drei, vier Jahren zu übernehmen. Das braucht sie ja jetzt nicht.

Das heißt, hier sind mindestens 30 Mio in den nächsten drei Jahren frei. Das Geld muss ja da gewesen sein. Die könnte man doch in den Ausbau der durch die IZBB-Mittel gebauten Schulbibliotheken stecken.

Sonntag, 20 April , 2008

Lebensqualität 2.0

Es gibt irgendwo einen Vortrag zur Zukunft des Intranets: “Wo stehen wir in 10 Jahren?”. Der wiederum wird kommentiert von einem Blogger aus meiner Heimat Rheinhessen, der zu der Erkenntnis kommt, dass Beruf und Freizeit beim Mitarbeiter 2.0 verschwimmen.

Das ist die Dialektik des Fortschritts. Die neuen Tools verändern die, die glauben, sie beherrschten die Tools.

Lehrer kennen das schon aus der nichtdigitalen Zeit: Die Aufsätze wurden am Wochenende korrigiert. Beim Zeitunglesen am Frühstückstisch lag die Schere bereit, falls man einen Artikel finden sollte, der zum Arbeitblatt taugte, unter dem Fernseher stand der Recorder bereit, falls abends etwas für den Unterricht Brauchbares gesendet wurde (verjährt!). Das erscheint im Nachhinein beschaulich im Vergleich zum Mitarbeiter 2.0: flexibel sein, kein festes Anstellungsverhältnis mehr, sondern ständig neue Projekte, ständig neue Chefs, ständig neue Unternehmensberater, die Leistung von gestern zählt nichts, nur das Potential für morgen.

Vielleicht hält das Internet auch für die Verlierer, die Ausgebrannten, die Durchgeknallten eine Lösung bereit: A Second Life: Life in the Woods

Freitag, 18 April , 2008

Schulbibliotheksbauten

Unsere Kollegen und Freunde Wolfgang Lanzinger (Wels) und Markus Fritz (Bozen) stellen gemeinsam mit dem Moderator Werner Schöggl (Wien) auf dem Kongress

“Bibliotheksbauten in Österreich und den Nachbarländern

vom 14. - 16.5 in Linz Schulbibliotheksbauten und Einrichtungskonzepte vor.

In der Region Linz werden Schulbibliotheken besichtigt.

Freitag, 18 April , 2008

Zeitreise

Nachricht für Föderalismus-Fans:

Baden-Württemberg startet Modellversuche mit kombinierten HR-Schulen.

Ich habe in Hessen in solchen ein Berufsleben lang gearbeitet. (Manchmal stand an der Tür auch KGS, kooperative Gesamtschule.)

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