Buchhandlungen in Berlin

Ich bin der 250., dem dieses posting gefällt: http://shethoughtoutsidethebox.com/2012/04/23/bookshops-in-berlin/.

Das erste Mal in 4,5 Jahren, dass ich auf der WordPress Startseite ein “Topmeldung” angeklickt habe. (Sie ist eine Mischung von Bild-Titelseite und Esoterikmagazin.)

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Meine Sommerlektüre 2012

Ganz lösen von meinen Interessenschwerpunkten kann ich mich nicht: Dirk Laabs, die wahre Geschichte der Treuhand. Momentan habe ich kein starkes Interesse an Krimis. Das Buch von Laabs stellte sich aber als solcher heraus.

Als wäre alles das letzte Mal’: Erich Maria Remarque. Eine Biographie, von Wilhelm von Sternburg (Habe ich zwar schon im März gelesen, kann aber immer  empfohlen werden.)

Jonathan Franzen, Freiheit. Musste sein, weil er monatelang in den Feuilletons gepriesen wurde. Ich würde ihn nicht ganz so hoch hängen.

Weil ich die großen Russen gerne lese und es als e-Book fast umsonst war: Iwan Turgenjew, Väter und Söhne.

Worauf ich mich noch freue, auch wenn der Sommerurlaub schon vorbei ist: Angelika Klüssendorf, Das Mädchen.

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Böse Krimiautoren und der Geheimdienst mischt auch mit

Die kluge Constanze Kurz insinuiert in der heutigen FAZ, dass Geheimdienste, die den anonymen Hackern schaden wollen, hinter den Drohungen gegen die Autoren steckten. Allerdings hätten die Krimiautoren mit der Aggression angefangen: Sie hätten die Guy-Fawkes-Maske, das Markenzeichen der Hackerbande, für ihre Zwecke missbraucht.
Frau Kurz kennt sich nicht nur in Informatik und Parlamentarismus aus, sondern auch in Geschichte. Dass Guy Fawkes aus Verärgerung über die antikatholische Politik des Königshauses das Parlament mitsamt Regierung und Königsfamilie in die Luft sprengen wollte, wird auch gerne als Projekt der Herrschenden ausgegeben, die den Hass auf den Papst noch steigern wollten.

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Ad ACTA. Politiker müssen keine Ahnung haben

Dazu braucht es keine Piraten. Das können auch die anderen.

Es war eine einfache, aber brilliante Idee der Redaktion des rbb-Politikmagazins “Klartext”: Ein Reporterin klemmte sich den ACTA-Entwurf unter den Arm und zog los, um Politiker/-innen aller Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus zu befragen…

… und dann mit dem Originaltext zu konfrontieren, so weit Politiker/-innen das zulassen.

Was herauskam? Unkenntnis und peinliches Geschwafel.

Hier der Clip.

  • Siehe auch ACTA in Basedow1764 v. 26.3.2010
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Promotion als Nebentätigkeit

Ich habe es nicht vergessen: Ein Mitglied des Kollegiums fehlte häufig tageweise, mehr als ein ganzes Jahr. Wie üblich mussten die nicht-kranken Kollegen ihn in seinen Klassen vertreten. Wie das dann so der Alltag im Lehrerzimmer ist: Man freut sich, dass man Morgen erst zur 2. Stunde kommen müsste, aber… Oder man will die “Freistunde” nutzen, um Hefte zu korrigieren oder den Kartenraum aufzuräumen, aber … Man macht es arg- und klaglos. Man kann ja selbst auch einmal krank werden.

Bald darauf schmückt sich der Kollege mit einem Doktortitel. Jetzt ist klar, warum er so häufig seinen Unterricht schwänzte.

Die Geschichte fällt mir ein, wenn ich lese, dass einer beiden Geschäftsführer der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft, Manfred Körtgen, sich promovieren lässt, mit einer Arbeit zu dem Thema, mit dem er gerade beschäftigt ist: Optimierung komplexer Planungsprozesse. Vielleicht hat es ja mit der Promotion geklappt, mit dem Thema hat´s in Schönefeld nicht so richtig geklappt. Seinen Job ist er los.

In diesem Fall kommt bei der Promotion noch ein weiterer Aspekt hinzu. Bei meinem Lehrerkollegen gab es ein Forschungsinteresse, das weit entfernt von seinem Unterricht lag. Er wurde über die Wortwahl bei einem bekannten deutschen Schriftsteller promoviert.

Dr. Körtgen hat das beschrieben, was er als Geschäftsführer gerade macht. Ähnlich  war es bei Dr. Paffhausen, dem Geschäftsführer der Potsdamer Stadtwerke “Energie und Wasser”, einem Konzern, aus dessen “Schattenhaushalt” diverse Kommunalpolitiker Wohltaten finanzieren können. Auch er stützte sich in seiner Dissertation auf die Vorgänge, die er auf dem Tisch hatte. Anders als mein Kollege hatte er beim Zeitmanagement aber wohl bessere Ressourcen. Oder schrieb er seine Dissertation auch auf dem Rücken seiner Mitarbeiter?

Ich möchte nicht vorschnell urteilen. Vielleicht haben sich die Herren einen lang gehegten Wunsch erfüllt, konnten ihn nach dem Studium nicht realisieren. Vielleicht ging es ihnen nicht um Reputationsmanagement, sondern echtes wissenschaftliches Erkenntnisinteresse. Aber ein Geschmäckle bleibt.

Ein Vorbild gab es in Potsdam für diese Art der Promotion: An der MfS-Hochschule in Potsdam-Golm war es die Regel, dass die Stasi-Offiziere den Doktortitel für ihre Fallbeschreibungen bekamen, dafür, wie sie Freundschaften zersetzten, sich das Vertrauen pubertierender Jugendlicher verschafften oder Volksschädlinge ausmerzten.

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Kitastress und Kibbuzim

Nachtrag zu “Stress in der Kinderkrippe”

Befürworter der flächendeckenden Kitapflicht füt Kleinstkinder hätten auch schon 1989 bei Dieter E. Zimmer fündig werden können. Er hat in der zweiten Hälfte der 80er Jahre einen sehr gründlich recherchierten Aufsatz zu den israelischen Kibbuzim geschrieben. Wer Zimmer kennt, weiß, dass er abgewogen urteilt.

Zimmers auf eine Fülle empirischer Untersuchungen und Gespräche gestütztes Urteil: Leben und Arbeiten in den Kibbuzim hat keine neuen Menschen hervorgebracht, nicht mehr Gleichheit unter den Menschen oder zwischen den Geschlechtern, es war aber auch nicht schlecht. Aus dem Experiment sei etwas Lebensfähiges und Lebenswertes geworden, wenn es auch “nicht in allen Punkten dem utopischen Bilderbuch” entspräche. (Ich habe selbst 1966 vier Wochen in einem Kibbuz gearbeitet, als Gast im Rahmen des ersten offiziellen Besuches einer Gruppe deutscher Studenten nach 1945. Es war beeindruckend zu sehen, wie es funktionierte. Aber den Gesprächen war zu entnehmen, dass die Kibbuzbewegung ihren Höhepunkt überschritten hatte. Für manche jungen Leute war der Kibbuz nicht mehr das Lebensziel.)

Die Kibbuzim sind basisdemokratische Siedlungen. Sie sind i. d. R. nicht religiös oder marxistisch begründet, es sind freiwillige Zusammenschlüsse. Manche nennen sie Urkommunismus. Sie entstanden im Zuge der zionistischen Einwanderung. Die Idee ist also über 100 Jahre alt. Überwiegend sind die Kibbuzim landwirtschaftlich orientiert, es gibt aber auch Industrieproduktion oder beides.

Mittelpunkt der Siedlungen sind die großen Kantinen, in denen auch die Vollversammlungen stattfinden. Gleichheit und Gleichberechtigung sowie Entlastung von individueller Haushaltsführung (Kollektive Erledigung von Wäsche waschen, Kochen, Entlastung von Kinderversorgung und -erziehung, Ausgabe von Kleidung) sind die Ziele. Lohnzahlungen braucht man nicht. Der Kibbuz versorgt die Alten und Kranken. Man wird nicht pensioniert und in ein Altersheim abgeschoben, irgendeine nützliche Arbeit in der Gemeinschaft ist immer möglich. Der Kibbuz zahlt Urlaubsreisen und ein kleines Taschengeld für Einkäufe in der Außenwelt.

Die Kibbuzim sind bestens erforscht. Es gab immer ein großes Interesse daran, herauszubekommen, ob und wie es funktioniert. Als Vergleichsgruppe haben viele Untersuchungen die weniger strikten und zahlreicheren Moschawim gewählt, die landwirtschaftlichen Genossenschaften. (Auch die sind keinesfalls mit LPGen oder Kolchosen vergleichbar.)

Die Kinder leben in den Kibbuzim von Geburt bis zum 18. Lebensjahr getrennt von ihren Eltern in eigenen Gebäuden und mit anderen Bezugspersonen. Bei ihren Eltern sind sie am Wochenende und an Feiertagen. Für die bei uns nicht stattfindende Debatte über die Folgen lang andauernden Kitaaufenthaltes gibt es interessante Befunde:

Die Kollektiverziehung hat die Menschen nicht geselliger gemacht. Sie haben später genauso viele Freunde wie die Kinder aus den Moschawim. Aber die Kinder aus den Kibbuzim sind ängstlicher und unsicherer gegenüber anderen, es gibt bei ihnen weniger enge Freundschaften. Negative Gefühle gegenüber Angehörigen der gleichen Altersgruppe (mit der man eng zusammenlebt) sind dreimal höher als bei gleichaltrigen Stadtkindern, die in der Familie aufwachsen. Bruno Bettelheim, so zitiert Zimmer, habe in seiner  – umstrittenen – Studie von einer emotionalen Verflachung der Kibbuzniks gesprochen. Die Altersgruppe entwickelt auch keinen besonderen Zusammenhalt oder Solidarität. 18 Jahre Zusammenleben in der Altersgruppe, das reicht den meisten wohl, vermutet Zimmer.

Sicher kann man 18 Jahre Kibbuz nicht mit 2-3 Jahren Kita vergleichen, aber in der Tendenz weisen die Untersuchungen in dieselbe Richtung wie die Kita-Forschungen in Nordamerika und der DDR.

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Eine historische Schulbibliothek: Gymnasium Christianeum in Hamburg

Der erste Bibliothekar  des Gymnasiums Christianeum in Hamburg trat sein Amt 1743 an. 21 Jahre bevor Johann Bernhard Basedow Schulbibliotheken in jeder Schule forderte.

Die Arbeitsgemeinschaft Frühe Neuzeit hat in ihrem Weblog einen Text zur Bedeutung dieser historischen Schulbibliothek und ihres wertvollen Bestandes veröffentlicht.

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Politik und Unpolitik

Das Institut für Demoskopie in Allensbach hat Bürger/-innen zu ihren Einstellungen zu Politik und Politikern befragt. Herausgekommen ist, wie ich meine, ein sehr klassisches Verständnis von Politik.

Eine deutliche Mehrheit stimmt dem zu: “Ich finde es erschreckend, wenn ein Politiker von einem Thema nicht viel versteht. Schließlich trifft er wichtige Entscheidungen…”

“…, wenn ein Politiker merkt, dass er mit seinen Überzeugungen klar in der Minderheit ist, dann sollte er sie aufgeben und tun, was die meisten Leute für richtig halten” wurde nur von 28% favorisiert. Das ist seit 25 Jahren die niedrigste Zustimmungsquote für dieses Item. Andersherum: Eine Mehrheit von 56% wünscht sich, dass ein Politiker zu seiner Überzeugung steht und sich nicht ständig den Umfragen und Massenmedien anpasst.

Ganz erstaunlich auch, dass die erzieherische Aufgabe von Politik und Politikern immer noch im Bewusstsein ist. (Das habe ich meinen Schülern und Referendaren immer versucht beizubringen.) 87% stimmen diesem Item zu: “Ein Politiker sollte den Bürgern helfen, sich in der Politik zurechtzufinden.”

Wie mir scheint, ist ein Politiker, der sich in Talkshows durch permanentes Tweeten mit seiner Basis rückkoppelt oder einer, der sich als Notar der Beschlüsse von Parteitagen, Twitterdiskussionen oder flüssiger Internetabstimmungen sieht, als angeblicher Prototyp neuer politischer Kultur, nicht die Lösung.

 FAZ v. 23.5.12, p 5: Die Sehnsucht nach politischer Orientierung, von Thomas Petersen (Schönes Erscheinungsdatum: Verfassungstag)
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Wer bringt Schülern noch etwas bei?

Aus einem Leserbrief:

“Wenn unsere  Kinder nicht mehr lernen dürfen, sondern nur noch Kompetenzen erwerben sollen, wer bringt ihnen dann was bei?”

(Eleonore Zergiebel zu dem Artikel Schulstress: Die Eltern sind schuld, erschienen in der FAZ am 13.5.12)

Der einfallsreiche Pädagogikprofessor Jürgen Henningsen schrieb altertümelnd von „beybringen”, wenn es um Lernen und Lehren ging. Er wollte, dass man an dem Wort hängen bleibe.

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Frischer Wind in Jugendbibliotheken

Was J.-G. König (Institutionen für fiktive Adressaten) 1986 und ein Band der Loccumer Protokolle (Kommunikationsort Stadtbibliothek) 1992 als Desiderat beschreiben, wurde 2010 auf einer Tagung diskutiert: Wie werden Jugendbibliotheken attraktiver? Viele gute Ideen wurden zusammengetragen.

(via netbib)
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