2009/11/21
„Mustergültiges“ Impressum für Webseiten
2009/11/19
Bildungschancen von Migrantenkindern
Was die Benachteiligung von Migrantenkindern im deutschen Schulsystem angeht, so zeichnet sich eine Revision bisher für wahr gehaltener Argumente ab. Die landläufige Formel vom Versagen des deutschen Schulsystems bei Migranten scheint nicht zuzutreffen. Man muss wohl genauer hinsehen.
Das hat Hartmut Esser, Soziologieprofessor em. aus Mannheim, kürzlich getan.
Er sagt: Das Bildungssystem der Aufnahmeländer hat die Effekte für die Integration der Migrantenkinder, die man ihm zuschreibt, allem Anschein nach nicht. (…) Es kommt vor allem auf die Verhältnisse in den Familien und ihre jeweilige Migrationsbiographie an.“
Er meint: Auch bei Migrantenkindern sind der Sozialstatus der Familie und die familiäre Sozialisation von erheblichem Einfluss. Hinzu komme, dass die Prägung der Migranten durch das Schulsystem der Herkunftsländer deutliche Spuren hinterlasse.
Das deutsche Schulwesen, trotz aller Vorwürfe wegen mangelnder Förderung und Integration, träfe viel weniger Schuld als behauptet. Die Nachteile des Bildungswesens, sofern es sie gäbe, beträfen alle, nicht nur die Migranten.
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2009/11/18
Espressomaschine in der Bibliothek?
Vor ein paar Jahren besuchte ich ein Oberstufengymnasium, das nach einem der größten deutschen Philosophen benannt war. (Die Schule fusionierte inzwischen mit einer anderen.)
Meine Freude war groß, als ich ein Protestschreiben der SV gegen die beabsichtigte Schließung der Bibliothek am Schwarzen Brett las. Sie organisierte sogar eine Unterschriftensammlung.
Einen Dämpfer bekam meine Freude, als die Bibliothekslehrerin erzählte, dass sie den Schülerinnen und Schülern, die in der Schulbibliothek vor allem eine Caféteria sahen, zum wiederholten Male das Essen und Trinken untersagt hatte und dabei auch die Schließung androhte.
Daran musste ich denken, als ich die Fotos von der Bibliothek der Universität von Valparaiso, Indiana, USA, einer privaten, lutherischen Institution, sah.
So könnte auch die Bibliothek einer großen Schule mit 2 bis 3000 Schüler/innen aussehen. Mit Räumen, in denen man sich wohlfühlt, mit Orten, an denen man auch essen und trinken kann.
Natürlich gehört zu einer Schulbibliothek, die Schülern und Lehrern das Lernen und Lehren erleichtern soll, mehr als eine gute Espressomaschine. Aber die eben auch.
Der 1. Stock dieser UB würde mir als Schulbibliothek schon ausreichen.
2009/11/18
Hessische Landesbibliothek wird Teil der FH Wiesbaden
Von einer Fusion würden beide Teile gewinnen, sagt der Wissenschaftsstaatssekretär. Die bisherige Leiterin der HLB ist schon weg. Sie wurde Direktorin einer Universitätsbibliothek.
Was hat das mit dem hessischen Schulbibliotheken zu tun? Möglicherweise wenig oder nichts.
Aber man sollte wissen: Die Hessische Landesbibliothek (HLB) ist Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken. Von den vorher existierenden zwei Fachstellen für kommunale Bibliotheken bei den Regierungspräsidenten zog eine in die HLB, die zweite wurde Außenstelle.
Die HLB ist „Hauptquartier“ für den Vollzug des Kooperationsvertrages „Bibliotheken als Bildungspartner für Schulen“. Das war so etwas wie der Trostpreis für die Strukturreform bei den Fachstellen. Die HLB bekam eine Zuständigkeit für Schulbibliotheken bzw. Bibliothek und Schule und vom Kultusministerium zwei halbe Lehrerstellen.
Besonderheit des hessischen Vertrages des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv) mit der Landesregierung ist, dass der dbv nicht der alleinige Sachwalter des Schulbibliothekswesens in Hessen wurde, sondern das Kultusministerium in den Vertrag hineingeschrieben hat, dass die LAG Schulbibliotheken in Hessen e.V. Partner für das Haus bleiben und für den dbv werden solle.
Fortan saß der LAG-Vorsitzende mehrmals im Jahr in einer Runde mit bis zu einem Dutzend Bibliothekarinnen und Bibliothekaren zusammen, die überlegten, wie man das Schulbibliothekswesen, nicht zuletzt auch den Besuch öffentlicher Bibliotheken, fördern könne.
Das Potential der HLB wurde anscheinend nicht ausgeschöpft. Dank des bayrischen Schulbibliothekstages wurde jetzt bekannt, dass es in der HLB einen Fachmann für Schulbibliothekssoftware gibt. Er trat in Bayern als Referent für dieses Thema auf. In Hessen ist er den Betreuern von 1100 Schulbibliothekssoftwareanwendern nicht bekannt. Die teilen sich eine halbe Lehrerstelle.
Hoffentlich fließen die Potentiale nach der Fusion nicht in Richtung Hochschule Rhein-Main ab, wie die FH heute heißt.
2009/11/16
Lesetipp: Cynthia Voigt, Jackaroo
Ich hatte das Buch aus den Augen verloren. Im Klartext: Wer hat mein Exemplar? Ich hielt das Buch für vergriffen. Aber nein, amazon hat noch ein Exemplar auf Lager. Das vorletzte habe ich gerade geordert. Es gibt aber noch Dutzende antiquarischer Angebote und zur SZ-Jugendbuchkassette gehört der Band ebenfalls.
Es geht um eine spannend erzählte Liebesgeschichte, die in der frühen Neuzeit spielt. Jackaroo, eine Art Robin Hood, ist der Held der Armen und Hungrigen, weil er die Reichen bestiehlt und die Beute mit den Armen teilt. Eine aufgeweckte Wirtstochter, Gwyn, begegnet ihm, verliebt sich und entdeckt, wer er in Wirklichkeit ist.
Das Spätmittelalter als Schauplatz der Handlung wird lebendig, obwohl die Geschichte einer emanzipierten jungen Frau aus dem einfachen Volk so nur aus heutiger Sicht erzählt werden kann.
Ich habe es mit großem Vergnügen gelesen, auch den Fortsetzungband „Auf dem Glückrad“. Es ist eine Trilogie, an den dritten Band aber erinnere ich mich nicht mehr.
2009/11/16
„Dein Spiegel“ für Kinder von 8 – 12
Rechtzeitig zur Bundestagswahl hatte der Spiegel ein Heft für Kinder herausgebracht: Dein Spiegel 1/2009: „Wahltheater“. Ich hatte es damals nicht beachtet.
Jetzt kündigt der Verlag zum 1.12. eine neue Nummer an. Das erste Heft habe sich 70000mal verkauft.
Mit Kinder- und Jugendzeitschriften in der Schulbibliothek habe ich mir immer schwer getan. Entweder waren sie etwas dröge und wurden nicht beachtet. Großformatige Tierposter wurden geklaut und manchmal ein Bildchen ausgeschnitten oder ausgerisssen. (Die Übeltäter waren nicht nur Schüler!) Oder sie versuchten Kindern Politik verständlich zu machen. Was ein enorm schwieriges Geschäft ist.
Das Interesse an Kinder- und Jugendzeitzschriften beschränkt sich meist auf wenige Jahrgangsstufen (rund um Klasse 5/6).
Treff und „GEOlino“ fand ich o.k. Die LAG hatte mit Gruner und Jahr einen kleinen Rabatt für Abonnements ausgehandelt. Man müsste mal in der LAG fragen, was aus der Aktion geworden ist.
Das Goethe-Institut stellt sechs Titel vor:
Alle haben einen umfangreichen Online-Auftritt.
Außer xMag hatte ich sie alle irgendwann einmal. Der bunte Hund und G / Geschichte eignen sich auch als anregende Lektüre für Lehrerinnen und Lehrer.
Die Stiftung Lesen macht mit Unterstützung der Stiftung Presse-Grosso Werbung für Jugendzeitschriften ab Kl. 5. Ich hatte im September 2009 darauf hingewiesen.
Jetzt nochmal zu „Dein Spiegel“: Natürlich gibt es viel Werbung im Heft. Die Texte sind nicht durchgängig leicht. Zielgruppe isind m. E. aufgeweckte Gymnasiasten. Mal sehen, wie das zweite Heft ausfällt.
2009/11/13
Wie man noch kreativer wird
Eine der besten Ideen der LAG Schulbibliotheken in Hessen e. V. ist die jährliche Klausur des Vorstands mit dem einen oder anderen Gast.
Unterm Jahr bleibt wenig Zeit für Gespräche. Hauptamtliche gibt es bei der LAG nicht. Einmal im Jahr sind es ein gemeinsamer Nachmittag, ein Abend und ein Vormittag, also ein großzügiger Arbeitstag, in klösterlicher Abgeschiedenheit. Es ist nicht Wildbad Kreuth!
Das Treffen ist produktiv, man geht mit neuen Ideen und „Hausaufgaben“ in den Alltag zurück.
Jetzt lese ich von einer Agentur für „Ideenmanagement und Kreativitätstechniken für Profis aus Marketing und Werbung“, dass wir erst auf halbem Weg sind. So können wir noch kreativer werden:
Creative Destruction

„Nichts wirkt auf innovative Vorhaben hemmender als der Erfolg der Vergangenheit. Creative Destruction hilft Ihnen dabei, auf elegante Weise emotional Abschied von Ihren größten Erfolgen zu nehmen. Beispielsweise indem gemischte Teams aus firmeninternen und externen Experten für drei Tage weit entfernt vom Alltagsgeschäft aufeinandertreffen. In der entspannten Atmosphäre einer spanischen Finca werden die eigenen Produkte oder Dienstleistungen hemmungslos zerlegt, kritisiert, analysiert, zerstört, beschädigt und wieder neu zusammengesetzt. Es soll ein Experimentierfeld entstehen, in dem es möglich wird, risikofrei alles zu probieren und vor allem, sich auf viel Neues einzulassen. Wer diesen Punkt lustvoll überschreitet, betritt jenen Freiraum, in dem sich echte Innovationen wiederfinden. Dafür könnte man auch die Produkte Ihrer Konkurrenten als Spielfeld nutzen: Lassen Sie keinen Stein auf dem anderen und finden Sie heraus, was schlecht an diesen Produkten ist, wie man sie richtig beschädigt, zerlegt und in ganz absurder Weise kombiniert, entfremdet oder anders anwendet. Dabei werden Sie viel lernen: über Ihre Produkte, die Konkurrenz und sich selbst. Zudem ist es ein zentrales Ziel, mit den Teams weit über die Branchengrenzen hinwegzublicken, um Kombinationen zu entwickeln, die große Mengen an neuen Innovationskonzepten versprechen.“ Quelle
2009/11/13
Lesetipp: Black Box DDR
Es gibt ein Mittel, das gegen Ostalgie garantiert hilft. Das sind die Erzählungen von Einzelschicksalen, Erzählungen von kleinen Leuten, Erzählungen über Menschen, die glaubten, eine gerechte Gesellschaft aufzubauen und sich enttäuscht abwandten, als sie erkannten, dass die neuen Eliten auch nicht besser sind als die alten.
Das Mittel immunisiert gegen die, die das Menschen-Experiment schon wieder wagen möchten oder es alles in allem gar nicht so schlecht fanden.
Es ist wie in der Geschichte von Siegfried Lenz, „Ein Freund der Regierung“: All das saubere Neue, das die Regierung den Journalisten präsentiert, der fabrikneue Reisebus, die Bauern im Sonntagsstaat, die frisch getünchten Häuser, die schönen Reden des Regierungssprechers und die auswendig gelernten Sätze der vorgeführten Bauern, sie werden in dem Moment wertlos, als einer der Bauern einem Journalisten heimlich einen ausgeschlagenen Zahn in die Hand drückt.
So ein Mittel gegen die Verklärung der DDR ist das Buch von Ines Geipel und Andreas Peterson, „Black Box DDR. Unerzählte Leben unterm SED-Regime“, Marix-Verlag.
Es sind 33 Porträts aus den unterschiedlichsten Berufen und Bevölkerungsschichten, aufgeschrieben von Journalisten, Autoren und Historikern, die den Menschen zuhörten.
In einer der Geschichten geht es um das zerstörte Leben einer Frau, die als 16Jährige Internatsschülerin mit Duldung ihrer Erzieher alle 14 Tage – so der Titel dieses Porträts – in der Datsche ihres Führungsoffiziers verschwindet, sich begrabschen lassen und über ihre Mitschüler berichten musste. Als sie Studentin und verheiratet ist, macht sich die Universitätsparteileitung an sie heran und verlangt erneut Spitzelberichte. Sie wird darüber krank und ihre Ehe geht kaputt. Sie will ausreisen und wird deswegen zu Kriminellen ins Gefängnis gesteckt. Dann wird sie aus der DDR geworfen. Im Westen versucht sie einen neuen beruflichen Anlauf und wird Logopädin. Beim Schreiben von Patientenberichten kriecht die Vergangenheit hervor. Sie bricht zusammen, wird arbeitsunfähig und nach vielen Therapien frühpensioniert.
Ihr Onkel, ein Ex-DDR-Diplomat, trifft sich derweil mit früherer DDR-Prominenz wie Krenz und Kessler und „debattiert unerbittlich über eine gerechtere Gesellschaft“. Mit diesem Satz lässt Ines Geipel das Porträt enden.
Ich wünsche diesem Buch eine größere Verbreitung als den Autobiographien und Erinnerungsbüchern von Egon Krenz und Lothar Bisky, Markus Wolf, Jana Hensel und Peter Ensikat.
Statt der Vergleiche von Frauenemanzipation in DDR und BRD, wie sie ein ostdeutsches Lehrerfortbildungsinstitut für die wenigen Unterrichtsstunden, die es dafür gibt, empfiehlt, sollte einfach aus „Black Box DDR“ in der Schule vorgelesen und darüber geredet werden. Die Landes- und Bundeszentralen für politische Bildung sollten das Buch in ihre Programme aufnehmen.
2009/11/13
Astronomie als Schulfach
fordern Experten. Die UNO hat die Astronomie 2009 zur basic science erklärt, was immer das auch heißen mag.
Nun gibt es eine schier endlose Liste von scheinbar dringend notwendigen neuen Unterrichtsfächern: Medienkunde, Verkehrserziehung, Wirtschaft, Formulare ausfüllen, Erziehungskunde, Googeln, Benimmerziehung, Gesundheitserziehung usw.
Bei Astronomie würde es mich aber freuen, wenn sie mehr Aufmerksamkeit erhielte. Es muss ja nicht gleich ein neues Fach sein.
Die LAG hat nämlich als eine der ersten Bücherkisten „Astronomie“ vorgestellt. Die Bücherliste, die heute mit audiovisuellen und digitalen Medien zu ergänzen wäre, wurde nach Beratung durch erfahrene Lehrer zusammengetellt.
Die Nachfrage war nicht überwältigend. Welcher Physiklehrer hat denn Zeit für Themen, die Kür und nicht Pflicht sind?
Für Hinweise auf geeignete aktuelle Medien wäre ich dankbar.
Nicht schaden könnte wenn diese Bücher „einfach so“ in der Bibliothek stünden, um entdeckt zu werden. Jedenfalls musste ich Astronomietitel häufiger nachbestellen. Sie fanden ihre „Liebhaber“.



